Heute wurde mein Gastpost auf heldenwetter.de veröffentlicht. Ariane hat veranstaltet die Gastblogger-Reihe "Projekt Fernweh" in dem verschiedene Blogger über ihre Auslands- oder Urlaubserfahrungen schreiben. Mein Beitrag war ein Bericht über meine Wanderung in Exmoor die ich allein antrat.

Alleine wandern. Ist das nicht irgendwie einsam? Im Juni 2013 trat ich meine 4-wöchige Interrail-Reise an. Allein. Ganz alleine. Ein wenig Angst vor dem Alleinsein hatte ich ja schon, denn wie oft bin ich schon so völlig ohne Freunde verreist? Eigentlich noch nie. Doch da ich niemanden für eine 4-wöchige Reise durch Großbritannien gefunden habe, wollte ich mich trotzallem nicht davon abhalten lassen.

Mein erster Stopp befand sich in Exmoor. Exmoor ist ein kleiner Nationalpark in Südengland. Dort wollte ich für einige Tage wandern gehen. Ich muss gestehen, es gab noch ein weiteres 1. Mal - ich bin zuvor auch noch nie wandern gegangen. Zwei Premieren aufeinmal. Ich machte mich also mit meinem typischen "Backpacker-Rucksack" auf in Richtung Exmoor, um genauer zu sein nach Lynton, Lynmouth, ein kleiner Ort direkt an der Küste. Um dorthin zu kommen, musste ich in Barnstaple in einen Bus steigen und von dort aus in den kleinen Ort tuckern. Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas Probleme mit dem riesigen Rucksack hatte und immer fast umgefallen bin, beim Versuch mir diesen auf den Rücken zu schnallen. Doch letztendlich kam ich nach einigen einsamen Landschaften in Lynton/Lynmouth an. Dort hatte ich ein kleines B&B gebucht. Als ich dort ankam wurde ich herzlich begrüßt, etwas groß angeschaut, was ich hier völlig alleine machen würde, aber dennoch sehr herzlich empfangen. Ich packte meine Sachen aus und schaute mich im Ort etwas um. Im B&B kaufte ich mir dann noch eine Karte von Exmoor, um die Wanderwege für die nächsten Tage herauszusuchen.

Dort fand ich einen schönen Wanderweg, den ich dann auf mehr oder weniger eigene Faust noch etwas verlängern wollte. Nach meinem kurzen Stadtrundgang und meiner Planung war der Tag auch schon rum. Am nächsten Tag stand ich früh auf und ging eine Runde joggen. Es war einfach so unglaublich, bei diesem Anblick laufen zu gehen. Das Grün, die ganze Atmosphäre, es war einfach umwerfend. Da es viel Berg auf und Berg ab ging, belief sich meine Joggingrunde auf 3km. Danach gab es ein unglaublich leckeres Frühstück im B&B. Bei dem Frühstück lernte ich ein paar nette andere Deutsche kennen. Es war eine Gruppe von homosexuellen Männern, die mit mir noch etwas plauderten und dann ging meine Wanderung los. Ganz alleine. Ein komisches Gefühl machte sich schon etwas breit. Was ist, wenn ich mich verlaufe? Mit wem kann ich all meine Eindrücke teilen? Wäre es nicht doch schöner, ab und an auch reden zu können? Ich lief also los, in meinem eigenen Tempo, mit meinem eigenen Rhythmus. Niemand der vor lief, niemand auf den man warten musste. So hatte ich genug Zeit um die Landschaft richtig war zu nehmen, in Ruhe Fotos zu machen und dem Rauschen der kleinen Wasserströmungen zuzuhören. Ich folgte dem Wanderweg, begegnete dabei einigen Familien und Pärchen und genoss die Zeit die ich für mich hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass wandern auch alleine Spaß machen kann, doch es war wirklich eine Zeit nur für mich und meine Gedanken.

Am Ziel angekommen, schickte ich doch ein paar Impressionen nach Hause, und bekam auch zugleich ein paar sehr positive Rückmeldungen zu Landschaft und Bildern. Ich freute mich und machte mich höchstmotiviert auf, um das letzte Stück des Wanderweges, welches ich noch auf der Karte dazu suchte, anzutreten. Nach 2 Stunden wollte ich also noch ein Stück weiter und dann mit einem größeren Bogen zurück zum B&B. Je weiter ich ging, desto leerer wurde es und irgendwann wurde mir klar, dass ich mich wohl dezent verlaufen hatte und nicht mehr ganz da war, wo ich dachte und wollte, als ich letztendlich an einer großen Straße landete. Doch nach ein bisschen Gesuche auf der Karte und kurzer Rätselzeit führte mich die Straße wieder zurück heim.

Am Abend ging ich alleine in ein Restaurant und genoss eine leckere, warme Suppe und ein paar Antipasti und las ein Buch. Es war toll, die Eindrücke noch mal wirken zu lassen, mit einem Buch und leckeren Essen zu entspannen und einfach Zeit hatte das zutun, was man gerne machen wollte. Zurück im B&B traf ich wieder die deutsche Gruppe und wir unterhielten uns noch einige Stunden erzählten und es war wirklich toll zu reden und so freundliche Menschen kennenzulernen.

Das war zwar nur ein Tag meiner ziemlich langen Reise, doch wollte ich diesen gerne mit euch teilen, da es der erste Tag so völlig alleine auf meiner langen Reise war und wohl auch eine der einsamsten. Am Anfang war es wirklich etwas merkwürdig und schwierig so völlig alleine zu sein, ohne jemanden zu kennen und auch alleine durch die Gegend zu ziehen, doch es hat auch seine Vorteile. Gerne würde ich auch mal wieder mit jemand anderes zusammen wandern gehen, doch auch alleine würde ich es sofort wieder tun. Man lernt viel schneller Leute kennen, muss sich nicht auf andere einstellen, kann seinen eigenen Rhythmus finden, an den Orten verweilen, die man toll findet, weiter gehen, wenn man es nicht schön findet, früh aufstehen und joggen, spät aufstehen und nichts tun. Alles ist möglich. Und gerade durch die Mischung auf der Zeit für sich und dem schnellen Kennenlernen von neuen, meist super netten Menschen, macht es das Alleine-Reisen doch recht spannend.